Schmerzmedizin: Behandlung chronischer Schmerzen

Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung und keine reine Begleiterscheinung. Er verdient eine Diagnostik und Therapie, die seinen Ursachen gerecht wird, statt nur ein Rezept für Schmerzmittel. Die Behandlung läuft per Videosprechstunde.

Kurz zusammengefasst

  • Chronischer Schmerz (länger als drei Monate oder wiederkehrend) ist eine eigenständige Erkrankung, nicht nur ein Symptom.
  • Er betrifft etwa 20 % aller hausärztlich behandelten Patient:innen, über 75 % davon sind älter als 50 Jahre.
  • Erklärungsmodell ist das biopsychosoziale Modell: körperliche, psychische und soziale Faktoren wirken zusammen.
  • Häufigste Lokalisationen sind Rücken, Knie und Kopf.
  • Die Therapie ist multimodal, mit körperlicher Aktivität als wichtigstem Baustein; vollständige Schmerzfreiheit ist meist kein realistisches Ziel.
  • Die Abklärung läuft bei NOVAMED per Videosprechstunde, mit Schwerpunkt Frankfurt/Rhein-Main und Berlin, bundesweit.

Was sind chronische Schmerzen?

Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn Schmerzen länger als drei Monate anhalten oder wiederkehrend auftreten. Was als Warnsignal beginnt, kann sich verselbstständigen: Das Nervensystem lernt Schmerz und hält ihn aufrecht, auch wenn die ursprüngliche Ursache längst abgeklungen ist. Chronischer Schmerz betrifft schätzungsweise jede fünfte Person in hausärztlicher Behandlung, mit deutlichem Schwerpunkt jenseits des 50. Lebensjahres. Am häufigsten sind Rücken (ca. 46 %), Knie (ca. 16 %) und Kopf (ca. 15 %) betroffen.[1]

Fachlich unterscheidet man ein primäres Schmerzsyndrom (Schmerz, der sich nicht ausreichend durch eine körperliche Schädigung erklären lässt und trotzdem stark beeinträchtigt) von einem sekundären Schmerzsyndrom, das auf einer erkennbaren Erkrankung beruht. Eine eindeutige Zuordnung ist nicht immer möglich, und beides schließt sich nicht aus.

Wie Schmerzen chronisch werden

Chronifizierung ist ein schleichender Prozess, den ein biopsychosoziales Modell am besten erklärt: körperliche, psychische und soziale Faktoren verstärken sich gegenseitig.

  • Körperlich: Gewebeschädigungen, Entzündungen, Muskelverspannungen sowie zentrale Sensibilisierung, bei der Gehirn und Rückenmark überempfindlich auf Reize reagieren
  • Psychisch: Ängste, Sorgen, Niedergeschlagenheit, unterdrückter Ärger und katastrophisierendes Denken verstärken die Schmerzwahrnehmung messbar
  • Sozial: berufliche Belastung, familiäre Konflikte oder Unterstützung, soziale Isolation
  • Schmerzgedächtnis: Das Nervensystem speichert Schmerzerfahrungen und ruft sie auch ohne neuen Auslöser ab
  • Vermeidungsverhalten: Angstbedingte Schonhaltung führt zu Muskelabbau, Dekonditionierung und damit zu neuem Schmerz

Häufig bestehen zusätzlich Depression, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder somatoforme Beschwerden. Sie ersetzen den Schmerz nicht, sondern sind eng mit ihm verwoben.

Diagnostik

Jede Schmerzbehandlung beginnt bei NOVAMED mit einem ausführlichen Erstgespräch von 20 bis 40 Minuten. Eine strukturierte Schmerzanamnese erfasst:

  • Beginn, Lokalisation, Häufigkeit, Intensität, Charakter und Verlauf der Schmerzen
  • Verstärkende und lindernde Faktoren, bisherige Therapien und deren Wirkung
  • Beeinträchtigung in Alltag und Beruf
  • Psychische Begleitfaktoren: ein kurzes Screening auf Angst und depressive Symptome gehört zur Basisdiagnostik dazu
  • Bisherige und aktuelle Schmerzmitteleinnahme
  • Sogenannte Red Flags, also Warnzeichen, die auf eine spezifische, behandelbare Ursache hindeuten und ggf. weiterführende Diagnostik erfordern

Je nach Fragestellung können standardisierte Schmerzfragebögen ergänzend eingesetzt werden, etwa zur Schmerzintensität, zu schmerzbedingten Einschränkungen im Alltag oder zu angstbedingtem Vermeidungsverhalten. Der Schmerztyp wird dabei eingeordnet als nozizeptiv, neuropathisch, noziplastisch (zentral bedingt), psychogen oder als Mischbild.

Behandlung

Die Behandlung folgt klaren Prinzipien: realistische, alltagsorientierte Ziele statt einseitigem Fokus auf die Schmerzintensität, ein schriftlich festgehaltener Behandlungsplan und regelmäßige Termine, unabhängig davon, ob gerade eine akute Verschlechterung besteht. Vollständige Schmerzfreiheit ist bei chronischem Schmerz in aller Regel kein realistisches Therapieziel; im Vordergrund steht der Gewinn an Alltagsfunktion und Lebensqualität.

Nicht-medikamentöse Therapie: die Basis

  • Körperliche Aktivität: der wichtigste Baustein; entscheidend ist weniger die Sportart als dass die Bewegung Freude macht und dauerhaft bleibt
  • Entspannungsverfahren: u. a. zum Abbau von Muskelverspannungen und zur besseren Körperwahrnehmung
  • Psychotherapeutische Verfahren: können bei etwa 30–60 % der Betroffenen helfen, u. a. durch Abbau von Katastrophisieren und Vermeidungsverhalten[1]

Medikamentöse Therapie: gezielt und zurückhaltend

Nur etwa ein Drittel aller Menschen mit chronischen Schmerzen profitiert überhaupt von einer medikamentösen Behandlung. Medikamente werden deshalb restriktiv eingesetzt: als zeitlich begrenzter Überbrückungsversuch mit von vornherein besprochenem Auslasszeitpunkt, nicht als Dauerlösung. Bei neuropathischen Schmerzen, die auf klassische Schmerzmittel oft schlecht ansprechen, kommen andere Substanzgruppen infrage. Ein bewusster, zurückhaltender Umgang ist wichtig, da sich bei manchen Schmerzmitteln, etwa Opioiden oder bestimmten Nervenschmerzmitteln, bei unkontrolliertem Gebrauch eine Abhängigkeit entwickeln kann; das wird im Verlauf aktiv mitbeobachtet.

Multimodale Schmerztherapie bei unzureichendem Erfolg

Reicht die ambulante Behandlung nicht aus, kann ein multimodales Programm sinnvoll sein: die koordinierte Kombination aus aktivierenden Maßnahmen (Ausdauer- und Krafttraining, Physiotherapie), psychotherapeutischen Verfahren und ggf. Medikation, meist als Gruppenprogramm über mehrere Wochen. Aktive Maßnahmen wie Bewegung und Psychotherapie sind dabei nachweislich wirksamer als rein passive Maßnahmen wie Massagen oder Injektionen.

Schmerztherapie per Videosprechstunde

Was ich behandle

Fibromyalgie

Ausgedehnte Schmerzen in mehreren Körperregionen, begleitet von Erschöpfung und Schlafstörungen. Laborwerte sind meist unauffällig, die Diagnose erfordert Erfahrung. Ich behandle Fibromyalgie als zentral vermittelte Schmerzerkrankung mit einem multimodalen Konzept.

Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit Attacken von vier bis 72 Stunden. Bei chronischer Migräne reicht die Akuttherapie nicht aus; ich verbinde Prophylaxe, Triggeranalyse und Lebensstilanpassung.

Neuropathische Schmerzen

Brennen, Kribbeln, Taubheit, einschießende Schmerzattacken. Klassische Schmerzmittel sind hier oft wirkungslos; neuropathische Schmerzen brauchen spezielle Medikamente und eine gezielte Diagnostik.

Rücken- und Nackenschmerzen

Meist keine strukturelle Ursache, die operiert werden muss. Stattdessen spielen Stress, Bewegungsmangel und psychosomatische Faktoren eine zentrale Rolle. Rückenschmerzen behandle ich im Gesamtzusammenhang und nicht als isoliertes Symptom.

Wann sollten Sie sich vorstellen?

  • Schmerzen seit mehr als drei Monaten
  • Bisherige Therapien haben nicht geholfen
  • Der Schmerz beeinträchtigt Schlaf, Stimmung oder Arbeit
  • Sie vermuten psychische Einflussfaktoren
Carina Kulik

Carina Kulik

Psychosomatik & Schmerzmedizin · 8+ Jahre Erfahrung · Telemedizin bundesweit

Schmerztherapie anfragen

Bundesweite Videosprechstunde, Schwerpunkt Frankfurt/Rhein-Main und Berlin

Termin über Doctolib buchen

Häufige Fragen

NOVAMED ist eine Privatpraxis (GOÄ). Kassenpatientinnen können die Behandlung als Selbstzahler nutzen. Kosten bespreche ich transparent vorab.
20 bis 40 Minuten.
Ja, für viele Erst- und Folgetermine.
Nein.
Nicht in dem Sinne, dass nichts mehr zu machen wäre. Vollständige Schmerzfreiheit ist zwar oft kein realistisches Ziel, aber eine deutliche Verbesserung von Alltagsfunktion und Lebensqualität ist es meist schon.
Nein. Schmerz ist immer eine echte, subjektive Empfindung, unabhängig davon, ob sich eine eindeutige körperliche Ursache finden lässt. Das biopsychosoziale Modell erklärt, wie körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken, es stellt die Realität des Schmerzes nicht infrage.
Nein. Medikamente setze ich zurückhaltend und zeitlich begrenzt ein, meist als einen Baustein neben Bewegung, Entspannungsverfahren und bei Bedarf psychotherapeutischer Begleitung.
Im Vordergrund steht ein multimodales Konzept: Bewegung, Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Elemente als Basis, Medikamente nur gezielt und zeitlich begrenzt. Vollständige Schmerzfreiheit ist dabei oft kein realistisches Ziel – eine deutliche Verbesserung von Alltagsfunktion und Lebensqualität schon.

[1] Quellen: S1-Handlungsempfehlung Chronischer nicht-tumorbedingter Schmerz, DEGAM (AWMF-Registernr. 053-036, Stand 2023/2025) – Prävalenz, Altersverteilung, Lokalisation und Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren. Allgemeine Patienteninformation, keine individuelle Therapieempfehlung.