Migräne per Videosprechstunde — Diagnostik, Akuttherapie und Prophylaxe
Migräne ist mehr als Kopfschmerz. Diagnostik, Akuttherapie und Prophylaxe erfolgen per Videosprechstunde.
Kurz zusammengefasst
- Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit Attacken von 4 bis 72 Stunden — bei etwa 10–15 % der Bevölkerung im Laufe eines Jahres.
- Bei 10–30 % der Betroffenen tritt zusätzlich eine Aura auf — reversible neurologische Symptome wie Seh- oder Sprachstörungen, die unter einer Stunde anhalten.
- Ab 15 oder mehr Kopfschmerztagen pro Monat über mindestens 3 Monate spricht man von chronischer Migräne.
- Die Akuttherapie richtet sich nach der Attackenstärke; ab drei Attacken pro Monat ist eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll.
- Ein häufig übersehenes Problem: Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch bei zu häufiger Einnahme von Akutmedikation.
- Die Abklärung erfolgt bei NOVAMED per Videosprechstunde — Schwerpunkt Berlin und Frankfurt/Rhein-Main, bundesweit.
Wie häufig ist Migräne?
Migräne betrifft etwa 10–15 % der Bevölkerung innerhalb eines Jahres. Frauen sind im mittleren Erwachsenenalter etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung beginnt meist im späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter, mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen etwa 20 und 50 Jahren.
Ursachen und Triggerfaktoren
Migräne hat eine deutliche familiäre Komponente; die genauen zugrunde liegenden Mechanismen im Nervensystem sind trotz verschiedener Erklärungsmodelle noch nicht abschließend verstanden. Bestimmte Faktoren können jedoch einzelne Attacken begünstigen:
- Wetterwechsel und Kälte
- Bestimmte Genuss- und Nahrungsmittel, etwa Alkohol, Nikotin oder Glutamat
- Unterzuckerung durch ausgelassene Mahlzeiten
- Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, etwa durch Zeitverschiebung
- Nachlassender Stress nach einer anstrengenden Phase (umgangssprachlich "Feiertagsmigräne")
- Bei Frauen zusätzlich: Menstruation und hormonelle Verhütungsmittel
Ein Kopfschmerztagebuch hilft dabei, die individuellen Trigger zu erkennen — das ist auch Teil der Diagnostik bei NOVAMED.
Symptome
Bei etwa einem Drittel der Betroffenen kündigt sich eine Attacke Stunden bis zwei Tage vorher durch Vorboten an: Stimmungsveränderungen, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, vermehrtes Gähnen oder Erschöpfung.
Der eigentliche Kopfschmerz entwickelt sich meist langsam, hält unbehandelt 4 bis 72 Stunden an und ist in rund 60 % der Fälle einseitig — pulsierend, bohrend oder hämmernd, oft verstärkt durch körperliche Aktivität. Begleitend treten häufig auf:
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- Appetitlosigkeit
- Geruchsüberempfindlichkeit
Migräne mit Aura
Bei etwa 10–30 % der Betroffenen tritt zusätzlich eine Aura auf: vorübergehende, vollständig reversible neurologische Symptome, die typischerweise unter einer Stunde andauern und meist von Kopfschmerzen gefolgt werden. Am häufigsten sind visuelle Phänomene wie Lichtblitze oder blinde Flecken im Gesichtsfeld, seltener Sprach- oder Gefühlsstörungen. Es gibt außerdem selten Sonderformen, etwa Migräne mit ausgeprägtem Schwindel (vestibuläre Migräne) — diese werden im Erstgespräch mit abgeklärt, insbesondere wenn Aurasymptome untypisch verlaufen oder erstmals nach dem 40. Lebensjahr auftreten, da dann andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
Diagnostik
Migräne wird klinisch diagnostiziert — anhand der Krankengeschichte mit typischerweise mindestens fünf Attacken, die anerkannten Diagnosekriterien entsprechen. Eine körperliche und neurologische Untersuchung dient dazu, andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Eine Bildgebung (MRT) ist nicht routinemäßig notwendig, wird aber in bestimmten Situationen empfohlen, etwa bei:
- Erstmaligem Auftreten einer Migräne nach dem 40. Lebensjahr
- Untypischer oder sich verändernder Aura- bzw. Kopfschmerzsymptomatik
- Bisher wirksamer Therapie, die plötzlich nicht mehr anschlägt
- Auffälligem neurologischem Untersuchungsbefund
Behandlung
Allgemeine Maßnahmen
Reizabschirmung, Ruhe und Schlaf in einem abgedunkelten Raum sowie Kühlen von Stirn und Schläfen lindern viele Attacken bereits spürbar.
Akuttherapie
- Leichte bis mittelstarke Attacken: entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR), z. B. Ibuprofen oder ASS, möglichst früh und ausreichend hoch dosiert eingenommen
- Mittelschwere bis schwere Attacken: Triptane als spezifische Migränemedikamente, wenn NSAR nicht ausreichend wirken
- Bei Übelkeit oder Erbrechen: zusätzlich ein Mittel gegen Übelkeit
Wichtig: Wird Akutmedikation zu häufig eingenommen (an mehr als 10 Tagen im Monat), kann daraus selbst ein eigenständiger Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entstehen. Das gehört zu jeder sorgfältigen Migränebehandlung mit abgeklärt.
Prophylaxe bei häufigen Attacken
Treten Attacken dreimal im Monat oder häufiger auf, oder halten sie besonders lange an, ist eine vorbeugende Behandlung sinnvoll:
- Nicht-medikamentös: regelmäßiger Ausdauersport, Stressreduktion, Entspannungsverfahren, Biofeedback
- Medikamentös: u. a. Betablocker als bewährte Standardoption; bei häufiger, stark beeinträchtigender Migräne stehen inzwischen auch gezielt gegen die Migräne-Botenstoffe (CGRP) gerichtete Medikamente zur Verfügung
Ein Kopfschmerztagebuch begleitet die Prophylaxe, um die Wirksamkeit nach einigen Monaten überprüfen zu können.
Migräne in besonderen Lebensphasen
In der Schwangerschaft bessert sich eine bestehende Migräne bei einem großen Teil der Patientinnen, insbesondere im zweiten und dritten Trimenon. Gleichzeitig gilt gerade in dieser Zeit eine besonders sorgfältige, individuelle Auswahl jeder Medikation — das besprechen wir gemeinsam im Gespräch.

Carina Kulik
Psychosomatik & Schmerzmedizin · 8+ Jahre Erfahrung · Telemedizin bundesweit
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Fachliche Grundlage: S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (DGN/DMKG, AWMF-Registernr. 030-057) · Attackendauer (4–72 Stunden) nach ICHD-3. Einzelne im Text genannte Kennzahlen wurden im Rahmen dieser Überarbeitung nicht gegen Primärquellen geprüft.