Angststörungen — Panikattacken, generalisierte Angst und Phobien behandeln
Angst wird zur Erkrankung, wenn sie unabhängig von realer Gefahr auftritt, den Alltag einschränkt oder zu dauerhaftem Vermeidungsverhalten führt. Diagnostik und Behandlung erfolgen vollständig per Videosprechstunde.
Kurz zusammengefasst
- Angststörungen zählen mit einer Lebenszeitprävalenz von bis zu knapp 30 % zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.
- Man unterscheidet u. a. die Panikstörung (plötzliche, unvorhersehbare Angstattacken), die generalisierte Angststörung (anhaltende, frei flottierende Anspannung) und Phobien (Angst vor bestimmten Situationen oder Objekten).
- Körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Atemnot oder Schwindel sind häufig — eine sorgfältige Abklärung möglicher körperlicher Ursachen ist Teil jeder Diagnostik.
- Unbehandelt verlaufen Angststörungen meist chronisch; mit frühzeitiger Behandlung ist die Prognose gut.
- Wirksame Therapieformen sind Psychotherapie (insbesondere kognitive Verhaltenstherapie) und, wo sinnvoll, eine medikamentöse Behandlung.
- Die Abklärung erfolgt bei NOVAMED vollständig per Videosprechstunde — Schwerpunkt Berlin und Frankfurt/Rhein-Main, bundesweit.
Welche Angststörungen gibt es?
Angst ist zunächst eine biologisch sinnvolle Emotion. Zur Erkrankung wird sie, wenn sie unabhängig von einer realen Gefahr auftritt, in ihrer Intensität oder Dauer nicht mehr zur Situation passt und zu spürbarem Leidensdruck oder Vermeidungsverhalten führt. Je nach Auslöser, Verlauf und Dauer werden verschiedene Formen unterschieden:
- Panikstörung: wiederholte, plötzliche Angstattacken ohne erkennbaren Auslöser, die innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt erreichen und meist nach 10–30 Minuten wieder abklingen
- Generalisierte Angststörung: anhaltende, diffuse Besorgnis und Anspannung bezogen auf alltägliche Ereignisse, über mindestens sechs Monate
- Agoraphobie: Angst vor oder Vermeidung von Menschenansammlungen, öffentlichen Plätzen oder Reisen ohne Begleitung — häufig gemeinsam mit einer Panikstörung
- Soziale Phobie: Angst davor, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen oder sich vor anderen peinlich zu verhalten
- Spezifische Phobie: Angst vor einem klar umschriebenen Objekt oder einer Situation, z. B. Höhe, engen Räumen, Spinnen oder Spritzen
Wie häufig sind Angststörungen?
Angststörungen gehören zur Gruppe der häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer, das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 35 und 41 Jahren. Bei familiärer Belastung ist das Risiko für erstgradige Verwandte deutlich erhöht. Angststörungen treten zudem häufig gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf, insbesondere mit Depressionen oder anderen Angststörungen — das wird bei der Diagnostik mit berücksichtigt.
Symptome
Angstsymptome betreffen Körper und Psyche gleichermaßen. Häufig auftretende körperliche Beschwerden sind:
- Herzrasen, Herzklopfen
- Schwitzen, Zittern
- Atemnot oder Beklemmungsgefühl
- Übelkeit oder Missempfindungen im Bauchraum
- Schwindel oder Benommenheit
Hinzu kommen häufig psychische Symptome wie Derealisations- oder Depersonalisationsgefühle, die Angst vor Kontrollverlust oder die Sorge, "verrückt zu werden" oder zu sterben. Bei der generalisierten Angststörung stehen eher anhaltende Anspannung, Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen im Vordergrund. Weil sich Angstsymptome auf körperlicher Ebene stark bemerkbar machen können, ist eine sorgfältige Einordnung wichtig — nicht jede Herzrasen-Episode ist automatisch eine Angstattacke, aber auch nicht jede diffuse Anspannung muss körperliche Ursachen haben.
Diagnostik
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch: Wann tritt die Angst auf, wie äußert sie sich, gibt es angstfreie Zeiten, und welches Vermeidungsverhalten hat sich möglicherweise bereits entwickelt? Da körperliche Symptome wie Herzrasen oder Atemnot auch andere, körperliche Ursachen haben können (etwa an Herz, Schilddrüse oder Lunge), gehört der Ausschluss somatischer Differenzialdiagnosen zu einer sorgfältigen Abklärung mit dazu. Ergänzend können standardisierte Fragebögen eingesetzt werden, um Schweregrad und Verlauf einzuordnen.
Wichtig dabei: Wiederholte körperliche Untersuchungen allein aus Sorge, doch noch etwas "übersehen" zu haben, können die Angst eher aufrechterhalten als lindern. Eine einmalige, sorgfältige Abklärung ist meist sinnvoller als ständige Kontrollen.
Behandlung
Psychotherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als Behandlung der ersten Wahl bei den meisten Angststörungen. Zentrale Bausteine sind Psychoedukation über die Angsterkrankung, die schrittweise Konfrontation mit angstbesetzten Situationen (Exposition) sowie das Erkennen und Verändern von Gedankenmustern, die die Angst aufrechterhalten. Bei spezifischen Phobien reicht häufig eine Expositionstherapie allein aus.
Medikamentöse Behandlung
Wo eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, kommen in erster Linie bestimmte Antidepressiva zum Einsatz — diese wirken bei Angststörungen unabhängig davon, ob zusätzlich eine depressive Symptomatik besteht. Die Wirkung setzt in der Regel erst nach einigen Wochen ein, weshalb eine begleitende Aufklärung über den Behandlungsverlauf wichtig ist. Nach erreichter Besserung wird die Medikation meist noch mehrere Monate fortgeführt, bevor sie langsam reduziert wird.
Selbsthilfe und begleitende Maßnahmen
Entspannungsverfahren können die erhöhte Grundanspannung reduzieren, insbesondere bei der generalisierten Angststörung. Regelmäßige körperliche Aktivität kann eine Behandlung sinnvoll ergänzen. Wichtig zu wissen: Ansätze wie autogenes Training, die den Fokus stark auf die Körperwahrnehmung lenken, sind nicht für jede Angstsymptomatik gleich gut geeignet und werden individuell besprochen.
Wann sollte eine Angstsymptomatik ärztlich abgeklärt werden?
Spätestens, wenn Angst wiederholt auftritt, sich nicht mehr klar durch eine reale Situation erklären lässt, zu Vermeidungsverhalten führt oder den Alltag, die Arbeit oder soziale Kontakte spürbar einschränkt, ist eine fachärztliche Abklärung sinnvoll — unabhängig davon, ob die Angst eher plötzlich in Attacken auftritt oder als anhaltende Anspannung im Hintergrund mitläuft.

Privatärztin · NOVAMED · Telemedizin bundesweit
Carina Kulik
Psychosomatik & Psychiatrie · 8+ Jahre Erfahrung · Telemedizin bundesweit
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