ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter — Gespräch, Fragebögen und individuelle Therapie
Eine sorgfältige Diagnostik ist die Grundlage jeder wirksamen Behandlung. Bei NOVAMED läuft sie vollständig per Videosprechstunde ab — auf Basis ausführlicher Gespräche und standardisierter Fragebögen.
Kurz vorweg
- Es gibt keinen Bluttest für ADHS — die Diagnose entsteht aus dem Gespräch und aus standardisierten Fragebögen.
- Rechnen Sie mit zwei bis drei ausführlichen Videoterminen, nicht mit einem einzigen Gespräch.
- Ein Blick zurück in die Kindheit gehört genauso dazu wie die Frage, ob nicht etwas anderes dahintersteckt.
- Nach der Diagnose sprechen wir über die Therapie — manchmal mit Medikamenten, manchmal ohne, oft beides zusammen.
- Alles per Videosprechstunde, Schwerpunkt Berlin und Frankfurt/Rhein-Main, grundsätzlich aber bundesweit.
Fachlich geprüft von Carina Kulik, Ärztin für Psychosomatik und Psychiatrie
Warum ich mir für die Diagnostik bewusst Zeit nehme
Die meisten, die sich bei mir melden, haben schon eine Vermutung im Kopf — oft ausgelöst durch einen Online-Test, ein Gespräch im Freundeskreis oder weil kürzlich ein eigenes Kind diagnostiziert wurde. Das ist ein nachvollziehbarer erster Anstoß, aber eben noch keine Diagnose. Konzentrationsprobleme, innere Unruhe oder ständige Vergesslichkeit können viele Ursachen haben, nicht nur ADHS. Deshalb schaue ich mir das gesamte Bild an, bevor überhaupt eine Diagnose im Raum steht — und genauso sorgfältig planen wir danach die Behandlung.
Wie läuft die Diagnostik bei mir konkret ab?
Der grobe Rahmen ist bei jedem Termin ähnlich, auch wenn sich das Gespräch am Ende meist anders entwickelt, als beide Seiten zu Beginn dachten.
Was Sie beschäftigt, seit wann und was sich dadurch im Alltag verändert hat.
In Ruhe ausgefüllt, ohne Zeitdruck — inklusive eines Rückblicks auf die Kindheit.
Wir gehen die Ergebnisse gemeinsam durch und prüfen, was sonst noch infrage kommt.
Steht das Bild, sprechen wir über den für Sie passenden Weg.
Das Gespräch bleibt der wichtigste Teil
Fragebögen sind eine gute Ergänzung, aber sie ersetzen kein Gespräch. Ich frage zum Beispiel gezielt nach der Schulzeit — nicht nur nach den Noten, sondern danach, ob Hausaufgaben endlos gedauert haben, ob im Zeugnis öfter so etwas wie „könnte sich mehr konzentrieren" stand, wie Freundschaften und Freizeit aussahen. Bei vielen Erwachsenen, besonders bei Frauen, fällt erst im Rückblick auf, dass sich schon früh etwas angedeutet hat, das nie richtig eingeordnet wurde. Wenn eine Partnerin, ein Partner oder ein Elternteil dazu etwas beitragen möchte, nehme ich das gerne mit auf — zwingend ist es aber nicht.
Welche Fragebögen kommen zum Einsatz?
Ich arbeite mit standardisierten, wissenschaftlich anerkannten Verfahren, keinen selbstgebastelten Checklisten. Grob lassen sich zwei Arten unterscheiden:
- Aktuelle Symptomatik: Wie stark sind Aufmerksamkeit, innere Unruhe und Impulsivität gerade jetzt im Alltag spürbar?
- Rückblick auf die Kindheit: Skalen, die typische frühe Anzeichen erfassen, selbst wenn sie damals nie benannt wurden.
Am Ende entscheidet aber nicht ein einzelner Punktwert, sondern das Zusammenspiel aus Fragebogen-Ergebnis und dem, was wir im Gespräch besprochen haben.
Was, wenn es doch etwas anderes ist?
Nicht jede innere Unruhe ist ADHS. Eine Schilddrüsenüberfunktion, schlechter Schlaf, eine Depression, eine Angststörung oder schlicht zu viel Koffein können ganz ähnliche Beschwerden verursachen. Genau deshalb frage ich das aktiv ab, statt es zu übersehen. Und manchmal zeigt sich: Es ist beides gleichzeitig — ADHS und noch etwas dazu. Auch das fließt dann direkt in die Behandlungsplanung ein.
Und was passiert nach der Diagnose?
Hier wird es individuell. Einen Automatismus „Diagnose führt automatisch zu Rezept" gibt es bei mir nicht. Manche möchten es zunächst ganz ohne Medikamente versuchen, andere merken schnell, dass sie ohne kaum vorankommen — beides ist völlig in Ordnung, und beides besprechen wir offen.
Medikamente, wenn sie sinnvoll sind
Stimulanzien wie Methylphenidat wirken meist rasch und sind häufig die erste Wahl. Werden sie nicht vertragen oder spricht eine Begleiterkrankung wie eine Angststörung dagegen, gibt es Alternativen, die langsamer, aber ebenfalls zuverlässig wirken. Wir tasten uns gemeinsam an die passende Dosis heran, begleitet von regelmäßigen Kontrollen.
Gespräche und Alltagsstrategien
Parallel dazu — oder auch ganz ohne Medikamente — helfen oft sehr praktische Dinge: verstehen, warum der eigene Kopf so tickt, wie er tickt (Psychoedukation), konkrete Strukturen für Alltag und Beruf, und wo es passt, Elemente aus der Verhaltenstherapie, um eingefahrene Muster aufzubrechen.

Carina Kulik
Psychosomatik & Schmerzmedizin · ADHS-Diagnostik im Erwachsenenalter · Telemedizin bundesweit
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