ADHS-Behandlung bei Erwachsenen: Therapie & Medikamente
Nach der Diagnose stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Psychoedukation, Verhaltenstherapie und – wenn sinnvoll – Medikamente lassen sich einzeln oder kombiniert einsetzen. Diese Seite ordnet die Optionen sachlich ein, inklusive möglicher Nebenwirkungen.
Kurz vorweg
- Nicht jede ADHS-Diagnose erfordert Medikamente — bei leichterer Symptomatik reichen oft Psychoedukation und Verhaltenstherapie.
- Medikamentöse Behandlung erfolgt mit Wirkstoffen aus zwei Gruppen: Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien.
- Beide Gruppen können Nebenwirkungen haben; welche im Einzelfall relevant sind, wird vorab besprochen und im Verlauf kontrolliert.
- Stimulanzien unterliegen einer besonderen Verschreibungspflicht — die Behandlung wird engmaschig begleitet.
- Häufig zeigt sich eine gute Wirksamkeit in der Kombination aus Medikation und Psychotherapie bzw. Psychoedukation, individuell unterschiedlich.
Fachlich geprüft von Carina Kulik, Tätigkeitsschwerpunkt Psychiatrie und Psychosomatik. Dieser Text ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
Nicht jede Diagnose braucht ein Rezept
Nach einer gesicherten ADHS-Diagnose stellt sich für viele zuerst die Frage nach Medikamenten. Das ist aber nur eine von mehreren Optionen. Bei leichterer bis mittlerer Symptomatik kann eine Kombination aus Psychoedukation und Verhaltenstherapie bereits ausreichen — insbesondere, wenn jemand grundsätzlich lieber ohne Medikamente behandelt werden möchte oder Nebenwirkungen dagegensprechen. Bei ausgeprägter Symptomatik ist häufig eine medikamentöse Behandlung sinnvoll, meist ergänzt durch Psychoedukation oder Psychotherapie.
Psychoedukation & Verhaltenstherapie
Psychoedukation bedeutet: verstehen, wie ADHS das eigene Denken, Planen und Fühlen beeinflusst — und daraus konkrete Alltagsstrategien ableiten. Ergänzend hat sich bei Erwachsenen mit ADHS insbesondere die Verhaltenstherapie als wirksam gezeigt, etwa um Struktur in Alltag und Beruf aufzubauen oder mit emotionaler Impulsivität besser umzugehen. Beides kann eigenständig eingesetzt werden oder eine medikamentöse Behandlung begleiten.
Medikamentöse Behandlung: die zwei Wirkstoffgruppen
Für die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sind in Deutschland Wirkstoffe aus zwei Gruppen zugelassen. Welche davon infrage kommt — und ob überhaupt —, entscheiden wir gemeinsam anhand Ihrer Symptomatik, möglicher Begleiterkrankungen und Ihrer persönlichen Präferenzen.
Erhöhen die Verfügbarkeit bestimmter Botenstoffe im Gehirn. Häufige Nebenwirkungen: Appetitlosigkeit, Schlafstörungen. Unterliegen einer besonderen Verschreibungspflicht.
Kommen infrage, wenn Stimulanzien nicht wirken, nicht vertragen werden oder aus anderen Gründen nicht passen. Mögliche Nebenwirkungen u. a. trockener Mund, Schlafstörungen.
Beide Wirkstoffgruppen können den Blutdruck und Puls beeinflussen — deshalb gehören regelmäßige Kontrollen zur Behandlung dazu. Die Studienlage bei Erwachsenen ist insgesamt weniger umfangreich als bei Kindern und Jugendlichen; nicht jede Person spricht gleich gut auf ein Medikament an, und ein Absetzen oder Wechseln ist jederzeit möglich.
Wie eine Behandlung bei mir beginnt
Vor Beginn einer medikamentösen Therapie kläre ich ausführlich über Nutzen, mögliche Nebenwirkungen und Alternativen auf — die Entscheidung treffen wir gemeinsam. Startet eine Behandlung, folgt eine sorgfältige Eindosierung mit regelmäßigen Kontrollterminen, bei denen wir Wirkung und Verträglichkeit besprechen und bei Bedarf anpassen.

Carina Kulik
Psychosomatik & Schmerzmedizin · ADHS-Behandlung im Erwachsenenalter · Telemedizin bundesweit
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Quellen: Gesundheitsinformation.de (IQWiG) · therapie.de · S3-Leitlinie ADHS (AWMF-Registernr. 028-045, 2018, derzeit in Überarbeitung). Allgemeine Patienteninformation, keine individuelle Therapieempfehlung.